„Freund Hein – Ein Buch des Lebens“ von Wulf Sörensen

Auszug aus „Freund Hein – Ein Buch des Lebens“ von Wulf Sörensen.


… Kinder
sind Schöpfergedanken Gottes, –
zum Leben gezeugt, –
durch den Menschen
in dieses Leben geboren.

Mann:
du bist Ahnherr deines Geschlechtes!

Weib:
in deinem Schoße liegt der heilige Kelch,
den Gott auserlesen,
des Blutes Reinheit zu wahren, –
in deinem Leibe hütest du deines Volkes Heil.

Dein Leib ist der lebendige Gral deines Volkes,
und in deinem Blute, das seine bebenden Wände bergen,
webt die Gottheit.

In dir segnen dich, die du geboren, durch die ganze
Erdenewigkeit deines Geschlechtes.

Von weit her, aus dem Grauen der Dämmerung,
rollen die Wogen des Meeres.
Rauschend laufen sie auf den Sand,
vergehen im Spiel mit Muscheln und Tang.

Ohne Ende
braust das Meer.
Die Ohren der Menschen hören das Lied des Ewigen.

Feucht ist die Luft, kühl und salzig.
Meergeschwängert,
im Urschoß der Erde befruchtet,
fährt sie dahin über die Länder in Wolken und Wind,
Leben weckend.

Silbrigweiß im ersten Licht der Frühe
segelt eine Möwe über die Wogen.
Kampfruf ist ihr gellender Schrei,
Kampfruf des Lebens an das im Fleisch Lebendige.

Mit eingelegten Flügeln schießt die Möwe in die schaumige Gischt, –
taucht in Gedankenschnelle empor, einen blinkenden Fisch im Schnabel, –
und segelt windgetragen der Sonne entgegen.

Leise rieselt der Sand.

Die dürren Gräser des Strandhafers rascheln.

Und die Wolken des Meeres brausen.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Wir sind ein hartes Geschlecht.

Nicht nötig zu sagen, was uns hart gemacht hat.

Wir sind.

Das genügt.

Und wir werden noch härter werden.
Immer härter.
Unsere Leiber und unsere Seelen.

Abgetan
haben wir alles Fremdwerk und Blendwerk
und blicken um uns
mit hellen Augen,
mit wachen Herzen
und mit lebendigen Sinnen.

Wir haben uns diese Erde errungen, auf der wir stehen.
Stark stehen.
Mit beiden Beinen.
Wie eingewurzelt.

Und es gibt für uns nichts Kostbareres
als diese heilige Erde
und alles was uns aus ihr kommt.

Hart,
wie wir uns die Erde errungen
haben für unseren Leib,
so hart und unerbittlich
haben wir uns den eigenen Raum für unseren Geist und für
unsere Seele – den Raum unserer inneren Freiheit – erkämpft.

Denn wir wissen:
Geist und Seele sterben,
wenn sie in Fremdland leben müssen.

Und stirbt die Seele, verdirbt der Leib. –

Wir sind kühn genug, nicht rückwärts zu schauen, –
nach Wahrheiten von gestern zu fragen,
ob sie für uns heutige noch Gültigkeit haben möchten.

Was gestern und vorgestern wirklich Wahrheit gewesen ist,
das ist auch heute und immer und ewig Wahrheit.

Und diese Wahrheit, diese einzige, werden wir nie suchen müssen.
Sie liegt wach in uns!

Wie es nur eine Wahrheit gibt,
so gibt es nur einen Maßstab, diese Wahrheit zu prüfen:
die göttliche Natur und ihre ehernen Gesetze.

Alles übrige hat keine Gültigkeit für uns!

Wir wissen:
dieser „Tod“
ist eine giftige Traumblüte kranker Hirne.

Ehe unser Leib stirbt
leben wir aufs neue
durch Werk und Tat,
leben wir aufs neue
in unseren Kindern,
solange unser Volk lebt.

Das ist unser ewiges Leben auf Erden!

Um unser ewiges Sein im Reiche jenseits der Sinne
wissen wir ahnend, –
aber wir sind ehrfürchtig genug, die Bilder unseres Denkens
nicht zum Inhalt unseres Glaubens zu machen.

Wir wissen:
allen, die unseres Volkes Blutes sind,
ist es von Gott als ihres Wesens Kern gesetzt
heldisch zu leben,
das Notwendige mit Gleichmut zu ertragen
und zu lachen,
wenn das Herz zittern will.

Wir wissen:
des Erdenleibes Tod
ist Gottes Schöpferstunde im Leben.

Und das zu wissen,
ist des Wissens übergenug.

Fest steht unser Leib auf dieser leuchtenden Erde.
Mit starken Schwingen durcheilt die befreite Lebendigkeit
unseres Ich des eigenen Raumes durchsonnte Weiten.

Furchtlos stehen wir und lachend.

Denn in dir, großer Freund, haben wir den Fürsten des Lebens erkannt,
des Urewigen in Jugend strahlende Gestalt.

Weit wie die Räume, in denen die Sterne kreisen,
ist unsere Seele,
unsere Augen blicken in die Fernen des Ewigen.

Unsere Seele trägt die Schwingen der Unsterblichkeit.

Komplett hier:

Wulf Sörensen FREUND HEIN – EIN BUCH DES LEBENS – Nordland Verlag, Berlin 1940


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